Stück

Een week of drie geleden ontving ik een mailtje van een journalist van Süddeutsche Zeitung. Hij had mijn artikel in de Volkskrant gelezen, over de effecten van de oorlog in Oekraïne op de nabestaanden van de MH17-ramp, alsmede de reactie op dat stuk van Sheila Sitalsing. 

Hij werkte aan een verhaal over de ‘Retraumatisering’ (een prachtig woord, ondanks de negatieve lading) van de nabestaanden van de ramp door alles wat er momenteel in Oekraïne gebeurt, en de herstart van het proces tegen de verdachten van het neerhalen van MH17.

We spraken af, dronken ginger ale, en hadden een ruim twee uur durend gesprek over al het bovenstaande, plus nog een hoop andere zaken.

Zijn stuk is inmiddels gepubliceerd, maar zit achter een onverbiddelijke Duitse paywall. Hij heeft me de tekst gestuurd, die heb ik hieronder geplakt voor wie geïnteresseerd is in zulks.

Wel in profi-Duits dus, waar Google Translate geen recht aan doet. Zie het als een korte opfriscursus.

(der, des, dem, den, die, der, der, die, das, der, dem, das… und so weiter.)

Das Stück:

Abschuss von Flug MH17: Eine Retraumatisierung, acht Jahre danach

25. März 2022

Die Bilder vom Krieg in der Ukraine wühlen bei den Menschen, die 2014 beim Abschuss von MH17 Angehörige verloren haben, alles wieder auf. Und in Amsterdam läuft der Prozess gegen die mutmaßlich Verantwortlichen aus Russland – doch er kann das Leid kaum mildern.

Von Thomas Kirchner, Amsterdam

Als MH17 im Juli 2014 im Osten der Ukraine vom Himmel geschossen wurde, verlor Remco de Ridder seine Halbschwester, deren Mann und die zwei Kinder. Fast acht Jahre ist das nun her. Wenn man ihn fragt, ob er das einigermaßen bewältigt hat, sagt er: “Jedes Mal, wenn ich ein Flugzeug sehe, denke ich an MH17. Und ich sehe viele Flugzeuge hier in Amsterdam. Ich hatte nie Flugangst, aber jetzt ist Fliegen eine schreckliche Erfahrung für mich.”

Der russische Einmarsch in die Ukraine rührt alles wieder auf in ihm. “Ich schlafe schlechter, wegen eines Krieges, an dem ich nicht beteiligt bin.” Die eiskalten Lügen aus dem Kreml, das bewusste Verdrehen der Wahrheit, das Verbreiten von Desinformation: De Ridder, 39, gelernter Journalist, kennt das, so war das damals auch, als man Russland für den Absturz des Flugzeugs und den Tod von 298 Menschen verantwortlich machte. Was Moskau bis heute zurückweist. “Wie viel Wut da nun sein muss in der Ukraine!” Er selbst habe, “obwohl ich kein gewalttätiger Mensch bin”, ein paar Mal davon geträumt, Wladimir Putin zu verprügeln. Das werde immer schlimmer, sagt er leise. “Ich will wirklich, dass er stirbt.”

Jos de Keijser ist klinischer Psychologe an der Universität Groningen und Experte für “komplexe Trauer”. Er untersucht die Leiden der MH17-Angehörigen seit 2014 und hat viele von ihnen als Psychotherapeut begleitet. Sie erlebten gerade eine “Retraumatisierung”, sagt er: “Durch die Bilder, die sie täglich sehen, kommt die Vergangenheit wieder hoch. Sie fühlen sich machtlos, unsicher – mit den üblichen Folgen wie Schlafstörungen oder Konzentrationsproblemen.” So schmerzlich die Bilder seien, könnten sie doch nicht wegschauen, “es ist wie eine Obsession”. Eine Patientin sei gerade eine Woche wandern gegangen, ohne Telefon. Dieses Wegsehen sei “harte Arbeit”. Wirklich helfen könne er den Menschen nicht.

Die Ermittler sammelten jeden Splitter ein. Am Ende hatten sie keinen Zweifel mehr
Der Absturz von MH17 war nicht nur eine Tragödie für die Familien der 196 Niederländer, die damals starben. Er war ein nationales Trauma. Als die Maschine mit den Überresten der Opfer auf dem Flughafen Eindhoven aufsetzte, stand das ganze Land still. Die Flügel der Windmühlen wurden in “Trauerstellung” versetzt, leicht schräg. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der der Kreml seine Schuld verleugnete, tat nicht nur den Angehörigen weh, sie sorgte für kollektive Empörung, die das gesamte Verhältnis der Niederlande zu Russland umkrempelte. Es war mal besonders gut, hatte sich aber schon seit 2013 nach diversen diplomatischen Hakeleien eingetrübt. Heute sind die Niederländer laut einer Umfrage unter allen Europäern am kritischsten eingestellt gegenüber der Invasion Russlands.

Das einzige, was sie Putins Lügen damals entgegensetzen konnten, war der Rechtsstaat. Feststellen, wie es wirklich war, und wer es war: Das wünschen sich wohl alle Angehörigen von Verbrechensopfern, es hilft ihnen, den Schmerz zu verarbeiten. Ein internationales Ermittlerteam sammelte an der Absturzstelle jeden Splitter ein, und am Ende einer äußerst aufwendigen forensischen Untersuchung, die untermauert wurde von Erkenntnissen der Recherchegruppe Bellingcat, blieb kein Zweifel an der Schuld Russlands, das die ostukrainischen Rebellen militärisch stützt: Die Rakete, die das Flugzeug traf, wurde von einem Flugabwehrsystem des Modells Buk-M1 Telar abgefeuert. Es war kurz zuvor von Russlands 53. Luftabwehrbrigade im russischen Kursk in die Nähe des ostukrainischen Ortes Snischne gebracht worden, wo zu dieser Zeit heftig gekämpft wurde. Bedient wurde die Buk wohl von russischen Soldaten, von wem genau, ist nicht bekannt.

Wohl aber glaubt man zu wissen, wer das Gerät in seine Position brachte und letztlich für den Abschuss verantwortlich war: Igor Girkin, Leonid Chartschenko, Oleg Pulatow und Sergej Dubinskij, die den pro-russischen Rebellen in der Ostukraine angehörten. Weil alle Versuche, den Fall vor ein internationales Gericht zu bringen, am Widerstand des Kreml scheiterten, blieb den Niederlanden nur, im eigenen Land einen Strafprozess gegen diese Männer zu eröffnen.

Nach fast sechsjährigen Vorarbeiten begann das Verfahren im März 2020 im Justitieel Complex Schiphol (JCS), am Rande des Flughafens Amsterdam. Der JCS ist eigentlich ein Abschiebegefängnis mit Gerichtssaal. Stacheldraht und Elektrozäune sichern den größten Teil des flachen, langgezogenen Quaders. Vor Jahren verteidigte sich der Rechtspopulist Geert Wilders hier gegen den Vorwurf, Hass auf Marokkaner geschürt zu haben.

Keiner der vier Angeklagten sitzt im Gerichtssaal. Russland liefert sie nicht aus
Der Sicherheitsaufwand wirkt überflüssig, denn keiner der Angeklagten nimmt an dem Verfahren teil. Russland liefert sie nicht aus, erkennt das Verfahren nicht an. Aber die niederländische Justiz will fernab aller Störfaktoren arbeiten. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf die internationalen Ermittlungen und eigene Untersuchungen, alle anderen Szenarien hat sie ausgeschlossen. Sie wirft den Männern 298-fachen Mord vor und fordert für jeden von ihnen eine lebenslange Freiheitsstrafe. Man habe sich viel Mühe gegeben mit der Anklageschrift, sagte Digna van Boetzelaer, die das Team der Staatsanwaltschaft leitet, in einem Interview. “Du sitzt im Glashaus, die ganze Welt schaut zu. Es darf nichts schiefgehen.” Etwas zu wissen heiße noch lange nicht, es auch strafrechtlich beweisen zu können. “Man kann sagen, es gibt ein Foto derBuk-Rakete im Internet. Dann kommt die nächste Frage: Wer hat das Foto gemacht? Wo kommt die Person her? Ist sie verlässlich?”

Die Ankläger gingen laut Boetzelaer davon aus, dass es ohne Angeklagte auch keine Verteidigung geben werde, weshalb sie denkbare Einwände in ihr Plädoyer einschlossen – ein zusätzlicher Aufwand. Dass sich einer der Männer, Pulatow, dann doch verteidigen ließ, hat den Charakter des Verfahrens stark verändert. Seine beiden niederländischen Anwälte äußern sich gerade in der laufenden Sitzungsperiode.

An einem Tag der vergangenen Woche kann man erleben, wie sie argumentieren. Wegen eines Corona-Falls ist der Anwalt nur per Video zugeschaltet. Stundenlang reitet er auf angeblichen Schwächen der Ermittlung herum. Man habe nicht genügend gesucht, sagt er, verlasse sich auf “Wahrscheinlichkeit” statt “Sicherheit”, als Explosionsquelle komme auch anderes infrage als eine Buk-Rakete. Es wird sehr technisch, er präsentiert diverse Fragmente, die man “anders deuten” könne als die Staatsanwälte. Es habe damals viele Buks gegeben im Abschussgebiet, auch ukrainische. Es spreche viel dafür, dass die Rakete von einem Ort abgefeuert worden sei, der unter Kontrolle der ukrainischen Armee stand.

Die Anwälte agieren also exakt, wie es Marieke de Hoon, Juristin an der Freien Universität Amsterdam, erwartet hatte: “Zweifel sähen”, alternative Theorien ins Spiel bringen, das Bild eines “unehrlichen Prozesses” entstehen lassen. Es sei ein ukrainisches Kampfflugzeug gewesen, hatte Moskau schon 2014 behauptet. Die “Beweise”, die man präsentierte, waren offensichtlich gefälscht; daneben lancierte Russland vor Prozessbeginn eine massive Desinformations- und Sabotagekampagne, an der der Geheimdienst GRU ebenso beteiligt war wie einige niederländische Helfer.

Für die Angehörigen war und ist das schwierig zu ertragen. Im vergangenen Herbst durften sie sich selbst äußern vor Gericht. “Die Verantwortlichen leugnen einfach alles, sie lügen. Das ist das Schlimmste”, sagte Rob Frederiks, der seinen 23-jährigen Sohn verlor. “Was ihr uns angetan habt! Die Folgen sind unbeschreiblich.”

Frühestens für September wird das Urteil erwartet. Eine Genugtuung wird das kaum für die Angehörigen; die mutmaßlichen Täter sitzen in Russland und können nicht belangt werden. Ein Schuldspruch wird den Hass auf Putin nicht mindern, den Remco de Ridder empfindet. Und doch sieht er einen Sinn in dem Verfahren, sagt er, und zitiert aus einer Zeitungskolumne: “Es scheint ganz wenig zu sein, und es ist doch ganz viel.”

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